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Gefährlicher Dampf aus Übersee

Seit ein paar Wochen macht ein neues Sucht­po­ten­tial von sich reden: Mit dem Bundesverwaltungsgerichts-Entscheid vom 24.4.2018 ist das in Ver­kehr brin­gen von niko­tin­hal­ti­gen E-Zigaretten nach EWR Recht auch in der Schweiz erlaubt.

Bis heute gel­ten die klei­nen hand­li­chen Ver­damp­fer in der Schweiz als Gebrauchs­gü­ter und dür­fen von allen erwor­ben wer­den. Was das für unsere Jugend bedeu­ten kann, zeigt ein Blick auf ame­ri­ka­ni­sche High-Schools. Dort ist #juuling bereits ein Mode­wort, ange­lehnt an die erfolg­rei­che Marke Juul. Die neu­ar­ti­gen E-Zigaretten machen dort schon hun­dert­tau­sende von Schü­lern niko­ti­n­ab­hän­gig. Die US-Gesundheitsbehörde spricht von einer Epi­de­mie. Der Damp­fer der kali­for­ni­schen Start-Ups ist schlank, kann am USB-Port auf­ge­la­den wer­den und wird unter ande­rem mit Liquids der Geschmacks­rich­tun­gen Mango, Crème bru­lée oder Gurke betrie­ben. Junge Nut­zer, von denen schon viele Posts auf Ins­ta­gram gefun­den wer­den, nen­nen ihn auch das «iPhone der E-Zigarette». Der unver­hoffte Erfolg rief nicht nur besorgte Eltern oder die Gesund­heits­be­hör­den auf den Plan, son­dern liess auch Aktien von bekann­ten Tabak­mul­tis in den Kel­ler stür­zen.

 

Nun expan­diert Markt­füh­rer Juul auch in die Schweiz. Ab Dezem­ber sol­len die Gad­gets an den Valora-Kiosken erhält­lich sein. Coop möchte fol­gen. Das Ver­kaufs­ver­spre­chen von Juul ist: «Der Throat Hit». Dies dank Niko­tin­sal­zen, die sofort in die Blut­bah­nen gehen, ähn­lich der Tab­ak­zi­ga­rette. Obwohl Die EU-Variante mit 2% nur halb so viel Niko­tin wie ihr US-Pendant haben darf, meint die Co-Leiterin des kan­to­na­len Tabak­prä­ven­ti­ons­pro­gramms des Kan­tons Zürich, Ste­pha­nie Unter­näh­rer: «Die Situa­tion ver­schärft sich mit einem Pro­dukt wie Juul.» Sorge bereite ihr, dass diese Art von E-Zigaretten vor allem bei Jugend­li­chen und jun­gen Erwach­se­nen hohe Beliebt­heit geniesse. «Es gibt Indi­zien, dass der Über­tritt zur her­kömm­li­chen Ziga­rette ver­ein­facht wird». Somit beob­ach­ten wir heute das Phä­no­men, dass eine alte Sub­stanz, von der der Kon­sum bis jetzt rück­läu­fig war, wie­der neu auf­ge­frischt wird. Dies­mal wird ganz spe­zi­ell ein jun­ges Publi­kum ange­spro­chen.

 

Die Ver­trei­ber in der Schweiz bele­gen sich zwar selbst mit einem Ehren­ko­dex, indem sie den Ver­kauf und Wer­bung an Min­der­jäh­rige ableh­nen. Es braucht jetzt unser Han­deln, wenn wir nicht wol­len, dass es noch mehr geschieht als jetzt schon, wo gewisse Schü­ler des freien Gym­na­si­ums in Zürich alle 45 Minu­ten für den nächs­ten Kick auf der Toi­lette ver­schwin­den müs­sen. Beson­ders die Kan­tone seien gefragt, meint EVP-Kantonsrat Beat Mon­hart. «Bis der Bund mit einem ange­pass­ten Gesetz kommt, wol­len wir nicht zuschauen wie unsere Jugend das Erleb­nis macht, wie einst bei den Alco­pops.»

 

Daniel Zinss­tag, Unter­stamm­heim, EVP-Kantonsratskandidat Bezirk Andel­fin­gen