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Achtung, hier werden Menschen gehandelt!

Anläss­lich eines Son­der­par­tei­tags der EVP wurde mir das Aus­mass des Men­schen­han­dels welt­weit und in der Schweiz bewusst: Welt­weit sind 40 Mil­lio­nen Men­schen Opfer von Men­schen­han­del, bei­nahe die Hälfte davon Frauen, über ein Drit­tel sogar Kin­der.

Ach­tung, hier wer­den Men­schen gehan­delt!

 

Anläss­lich eines Son­der­par­tei­tags der EVP wurde mir das Aus­mass des Men­schen­han­dels welt­weit und in der Schweiz bewusst: Welt­weit sind 40 Mil­lio­nen Men­schen Opfer von Men­schen­han­del, bei­nahe die Hälfte davon Frauen, über ein Drit­tel sogar Kin­der. Sexu­elle Aus­beu­tung (Pro­sti­tu­tion, Pädo­phi­lie, Por­no­gra­phie) und Aus­beu­tung der Arbeits­kraft (Zwangs­ar­beit in Haus­hal­ten, Schuld­knecht­schaft usw.) sind die ver­brei­tets­ten For­men die­ses Ver­bre­chens (94%). Men­schen­han­del ist laut dem Bun­des­amt für Poli­zei (fed­pol) «nichts weni­ger als moderne Skla­ve­rei». 2013 wur­den allein in der EU 880’000 Men­schen unter skla­ve­n­ähn­li­chen Bedin­gun­gen aus­ge­beu­tet.

 

Aus­beu­tung geschieht lei­der eben­falls direkt vor unse­rer Haus­tür. Auch die Schweiz ist Ziel- und Tran­sit­land die­ses Men­schen­han­dels, auch hier wer­den Men­schen zur Ware gemacht. Die meis­ten Opfer sind aus dem Bereich der Pro­sti­tu­tion. Hinzu kom­men Men­schen, die in Abhän­gig­keit gehal­ten wer­den, um ihre Arbeits­kraft aus­zu­beu­ten – das kann in Haus­wirt­schaft, pri­va­ter Pflege, Gas­tro­no­mie, Land­wirt­schaft oder auf dem Bau sein. Erkennt­nisse über Art und Aus­mass des Phä­no­mens sind lücken­haft, Exper­ten gehen von einer enorm hohen Dun­kel­zif­fer nicht­ent­deck­ter Aus­beu­tungs­si­tua­tio­nen aus. Die Zahl der erfass­ten und ver­folg­ten Straf­ta­ten ist nied­rig.

 

Selbst der Bun­des­rat gesteht ein, dass es zur­zeit nur wenige Ver­fah­ren und Urteile etwa zu Men­schen­han­del zwecks Aus­beu­tung der Arbeits­kraft gibt. Es gilt in Fach­krei­sen quasi als unbe­strit­ten, dass die momen­tane Rechts­lage und -anwen­dung in der Schweiz kaum abschre­ckende Wir­kung hat: Die Hür­den für eine Ver­ur­tei­lung sind hoch, die Beweis­füh­rung auf­wän­dig, das Straf­mass bei Ver­ur­tei­lun­gen oft so gering, dass sich Aus­beu­tung wirt­schaft­lich lohnt. Im Klar­text: Aus­beu­tung ist in der Schweiz ein Low-Risk-Geschäft, wird kaum geahn­det und ist des­halb äus­serst lukra­tiv. Die Bekämp­fung von Men­schen­han­del, ins­be­son­dere die spe­zia­li­sierte Straf­ver­fol­gung ist hoch kom­plex und enorm res­sour­cen­in­ten­siv.

 

Ich finde es unab­ding­bar, dass wir hin­schauen statt weg­schauen und den kon­se­quen­ten Kampf gegen Men­schen­han­del und Aus­beu­tung auf­neh­men. Kon­kret heisst dies, dass Bund und Kan­tone umge­hend die Res­sour­cen soweit aus­bauen müs­sen, dass eine effek­tive und kon­se­quente Straf­ver­fol­gung, Auf­de­ckung und Bestra­fung von Men­schen­han­dels­de­lik­ten zwecks sexu­el­ler Aus­beu­tung und Arbeits­aus­beu­tung in allen Kan­to­nen mög­lich wird – und damit eine wirk­same Abschre­ckung der Täter und Täte­rin­nen. Aus­beu­tung darf sich in der Schweiz nicht mehr loh­nen.

 

Hin­weis: Akti­ons­wo­chen „Die Schweiz gegen den Men­schen­han­del“, 10. – 31. Okt. 2019, Euro­päi­scher Tag gegen Men­schen­han­del: 18. Okto­ber; www.18oktober.ch

 

Chris­tina Fur­rer, Natio­nal­rats­kan­di­da­tin EVP, Sekundarlehrerin/Betriebsökonomin